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Studien & ZahlenKI im Mittelstand · Teil 1

Wie viele KMU in Deutschland nutzen KI und wofür?

Von Vincent Michler7 Min. Lesezeit
DIE KURZE ANTWORT

Laut Statistischem Bundesamt nutzten 2025 26 % der Unternehmen ab 10 Beschäftigten KI, bei kleinen Firmen mit 10 bis 49 Beschäftigten waren es 23 %. Umfragen aus 2026 messen deutlich mehr: Bitkom kommt auf 57 % (ab 20 Beschäftigten), ifo auf 54,5 %. Eingesetzt wird KI in KMU vor allem für Kundenkontakt, Marketing und Texte, meist mit generativen Tools wie ChatGPT. Die größte Lücke liegt bei den Fähigkeiten: 66 % der Unternehmen halten die KI-Kompetenz ihrer Belegschaft für gering.

Wer nach der KI-Quote im deutschen Mittelstand sucht, findet Zahlen zwischen 20 und 57 %. Keine davon ist falsch. Die Studien zählen unterschiedliche Unternehmen, fragen unterschiedlich streng und stammen aus unterschiedlichen Jahren. Dieser Beitrag ordnet die wichtigsten Erhebungen ein und zeigt, wofür kleine und mittlere Unternehmen (KMU) KI tatsächlich einsetzen.

Er ist Teil 1 der Reihe „KI im Mittelstand“. Teil 2 behandelt, warum KI-Projekte in KMU stocken und was die KI-Kompetenzpflicht aus dem AI Act verlangt, Teil 3 die Frage, ob sich eine KI-Schulung lohnt.

Wie hoch ist die KI-Quote laut amtlicher Statistik?

Das Statistische Bundesamt (Destatis) erhebt die KI-Nutzung jedes Jahr bei Unternehmen ab 10 Beschäftigten. Für das Berichtsjahr 2025 meldet Destatis 26 %. Ein Jahr zuvor waren es 20 %, 2023 erst 12 %.

Die Größe des Unternehmens macht dabei einen deutlichen Unterschied:

Unternehmensgröße KI-Nutzung 2025 (Destatis) EU-Schnitt 2025 (Eurostat)
10 bis 49 Beschäftigte 23 % 17 %
50 bis 249 Beschäftigte 36 % 30 %
ab 250 Beschäftigte 57 % 55 %
alle ab 10 Beschäftigten 26 % 20 %

Große Unternehmen nutzen KI also etwa zweieinhalbmal so häufig wie kleine. Im europäischen Vergleich steht Deutschland trotzdem gut da, und zwar gerade wegen der kleinen Firmen: Bei Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten liegt Deutschland sechs Prozentpunkte über dem EU-Schnitt, bei großen Unternehmen nur zwei.

Ein Hinweis zur Methode: Seit 2025 zählt Destatis Unternehmen nach dem EU-Unternehmensbegriff, vorher nach rechtlichen Einheiten. Der Sprung von 20 auf 26 % ist deshalb nur eingeschränkt vergleichbar. Die Zahlen für 2026 veröffentlicht Destatis voraussichtlich im November 2026.

Warum melden Bitkom und ifo doppelt so hohe Werte?

Die Verbands- und Institutsumfragen aus 2026 kommen auf deutlich höhere Quoten:

  • Bitkom (September 2026, 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten): 57 % setzen KI ein. 2025 waren es 36 %, 2024 noch 20 %. Weitere 38 % planen oder diskutieren den Einsatz, nur für 4 % ist KI kein Thema.
  • ifo-Konjunkturumfrage (Mai 2026): 54,5 % nutzen KI in Geschäftsprozessen, nach 40,9 % im Vorjahr.
  • KfW-Mittelstandspanel (Befragung 2025, rund 5.200 Unternehmen inklusive Kleinstbetriebe): 20 % der Mittelständler haben KI im Zeitraum 2022 bis 2024 genutzt. Das sind knapp 780.000 Unternehmen.

Drei Gründe erklären den Abstand. Erstens die Grundgesamtheit: Bitkom befragt erst ab 20 Beschäftigten, die KfW schließt Betriebe mit zwei oder drei Personen ein. Zweitens die Zeit: Die amtliche Zahl beschreibt 2025, die Umfragen den Sommer 2026, und in diesem Zeitraum hat sich die Nutzung schnell bewegt. Drittens die Frage selbst: Wer gelegentlich ChatGPT für eine E-Mail nutzt, antwortet in einer Telefonumfrage eher mit Ja als im amtlichen Fragebogen mit seiner Liste konkreter KI-Technologien.

Für Entscheider in KMU heißt das: Die Frage „Nutzen wir KI?“ beantworten die meisten Unternehmen inzwischen mit Ja. Aussagekräftiger ist, wie tief die Nutzung geht. Laut Bitkom sagen 59 % der KI-nutzenden Unternehmen selbst, dass sie das Potenzial gar nicht ausschöpfen.

Wofür setzen KMU KI ein?

Die meisten KMU nutzen KI dort, wo sie ohne IT-Projekt sofort einsetzbar ist: beim Schreiben, Zusammenfassen und Beantworten. Bitkom hat 2026 die Einsatzbereiche der KI-Nutzer abgefragt:

Einsatzbereich Anteil der KI-Nutzer (Bitkom 2026)
Kundenkontakt, z. B. Anfragen 72 %
Marketing und Kommunikation 54 %
Controlling und Rechnungswesen 25 %
Internes Wissensmanagement 22 %
Produktionsabläufe 22 %
Vertrieb 14 %

Die KfW kommt im Mittelstand zum selben Bild. Am häufigsten ist die Erzeugung von Sprache, etwa mit ChatGPT (14 % aller Mittelständler), gefolgt von Texterkennung (10 %). Datenanalyse nutzen nur 3 %. Als typische Beispiele nennt die KfW Produktbeschreibungen, Newsletter, Social-Media-Beiträge, Übersetzungen, das Vorsortieren von E-Mails und die automatische Rechnungsverarbeitung.

Auch die ifo-Umfrage zeigt, wie niedrigschwellig der Einstieg ist: 48,4 % der KI-nutzenden Unternehmen setzen kostenlose Tools ein, 22,5 % ausschließlich kostenlose.

Welche Branchen sind vorn, welche hinten?

Über alle Quellen hinweg ist die Reihenfolge stabil. Wissensbasierte Dienstleister und IT-Unternehmen führen, der Bau liegt hinten. Laut ifo (Mai 2026) nutzen 58,7 % der Industrieunternehmen KI, 56,2 % der Dienstleister, rund 45 % im Handel und 39,8 % im Bau. Der Bau holt allerdings schnell auf: Drei Jahre zuvor lag er bei 7,1 %.

Spannend ist ein Detail aus der ifo-Erhebung. Mittlere Unternehmen (47,2 %) liegen dort hinter kleinen (51,2 %). Die KfW kommt zu einem ähnlichen Schluss: Ob ein Unternehmen KI nutzt, hängt weniger an seiner Größe als an Digitalisierungsgrad, digitalem Know-how und Innovationsfreude. Ein Betrieb mit 15 Personen und einer technikaffinen Geschäftsführung kann weiter sein als ein Mittelständler mit 200 Beschäftigten.

Was ist Schatten-KI, und wie verbreitet ist sie?

Schatten-KI entsteht, wenn Beschäftigte private Konten bei ChatGPT, Claude oder ähnlichen Diensten für die Arbeit nutzen, weil das Unternehmen kein eigenes Tool bereitstellt. Laut Bitkom (Oktober 2025) ist das in 8 % der Unternehmen ab 20 Beschäftigten weit verbreitet, in 17 % kommt es in Einzelfällen vor, weitere 17 % vermuten es. Zusammen gehen also gut vier von zehn Unternehmen davon aus, dass private KI-Tools im Einsatz sind.

Dem stehen wenige offizielle Angebote gegenüber. Nur 26 % der Unternehmen stellen ihren Beschäftigten einen eigenen Zugang zu generativer KI bereit, bei Firmen mit 20 bis 99 Beschäftigten sind es 23 %. Regeln für den KI-Einsatz hatten 2025 nur 23 % aufgestellt.

Für KMU ist das ein praktisches Risiko. Wer nicht weiß, welche Tools genutzt werden, weiß auch nicht, welche Kundendaten oder Angebote in fremde Systeme gelangen. Ein Verbot hilft selten, denn der Nutzen ist für die Beschäftigten offensichtlich. Wirksamer ist ein freigegebenes Tool mit klaren Regeln und eine Schulung, die zeigt, was erlaubt ist und was nicht.

Wo liegt die eigentliche Lücke?

Die Zahlen zeigen eine Verschiebung. Vor zwei Jahren war die Frage, ob Unternehmen überhaupt mit KI anfangen. Heute nutzen die meisten sie irgendwie, aber ohne System. Bitkom misst das deutlich: 66 % der Unternehmen halten die KI-Kompetenz ihrer Belegschaft für gering. Unter den Unternehmen, die KI noch nicht nutzen, nennen 85 % fehlendes Know-how als Hemmnis.

Die Lücke liegt also weniger beim Zugang zur Technik als bei den Fähigkeiten, sie sinnvoll einzusetzen: Aufgaben richtig zu formulieren, Ergebnisse zu prüfen, Daten sicher zu behandeln und wiederkehrende Abläufe mit Assistants oder Automatisierungen abzubilden.

Mit welchen Hürden KMU dabei konkret kämpfen und was der AI Act seit 2025 zur KI-Kompetenz verlangt, behandelt Teil 2 dieser Reihe.

Häufige Fragen

Wie viel Prozent der Unternehmen in Deutschland nutzen KI?

Das hängt von der Erhebung ab. Die amtliche Statistik (Destatis) meldet für 2025 26 % der Unternehmen ab 10 Beschäftigten. Die Bitkom-Umfrage vom September 2026 kommt bei Unternehmen ab 20 Beschäftigten auf 57 %, die ifo-Konjunkturumfrage vom Mai 2026 auf 54,5 %. Das KfW-Mittelstandspanel, das auch Kleinstbetriebe einschließt, zählt 20 % für den Zeitraum 2022 bis 2024.

Nutzen kleine Unternehmen KI seltener als große?

Ja. Laut Destatis nutzten 2025 23 % der Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten KI, 36 % der Unternehmen mit 50 bis 249 und 57 % der Unternehmen ab 250 Beschäftigten. Die KfW sieht allerdings Digitalisierungsgrad und Know-how als wichtigere Faktoren als die reine Größe.

Liegt Deutschland bei KI über dem EU-Durchschnitt?

Ja. In der EU nutzten 2025 laut Eurostat 19,95 % der Unternehmen ab 10 Beschäftigten KI, in Deutschland laut Destatis 26 %. Der Vorsprung kommt vor allem von kleinen Unternehmen: 23 % in Deutschland gegenüber 17 % im EU-Schnitt.

Wofür setzen KMU KI am häufigsten ein?

Laut Bitkom 2026 vor allem im Kundenkontakt (72 % der KI-Nutzer) und in Marketing und Kommunikation (54 %). Die KfW findet im Mittelstand am häufigsten Spracherzeugung wie ChatGPT, etwa für Produkttexte, Newsletter, Übersetzungen und Antworten auf Kundenanfragen.

Was ist Schatten-KI?

Schatten-KI bedeutet, dass Beschäftigte private KI-Tools für die Arbeit nutzen, ohne dass das Unternehmen sie bereitstellt oder Regeln dafür hat. Laut Bitkom (2025) ist das in 8 % der Unternehmen ab 20 Beschäftigten weit verbreitet, in 17 % gibt es Einzelfälle, weitere 17 % vermuten es.

Quellen

  1. Destatis: Unternehmen, die KI nutzen, nach Beschäftigtengrößenklassen (Berichtsjahr 2025)
  2. Destatis: Pressemitteilung Nr. 444 vom 25.11.2024 (KI-Nutzung 2024)
  3. Eurostat: Use of artificial intelligence in enterprises (2025)
  4. Bitkom: Erstmals nutzt die Mehrheit der Unternehmen KI (14.09.2026)
  5. Bitkom: Beschäftigte nutzen vermehrt Schatten-KI (21.10.2025)
  6. ifo: More than half of companies in Germany use artificial intelligence (05.06.2026)
  7. KfW Research: Fokus Volkswirtschaft Nr. 554, KI im Mittelstand (Juli 2026)
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Vincent Michler, KI-Trainer und Engineer

Gründer von pyminds in München. Schult seit 2025 Teams in Unternehmen und Bildungsträgern zu KI-Assistants, Agents und Automatisierung, über 200 Teilnehmende bisher.Mehr über pyminds

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